Am 12.10.2007 ist Prof. Dr. med. Christian Lauritzen im Alter von fast 84 Jahren in Ulm im Kreise seiner Familie verstorben.


Mit ihm ist einer der Pioniere der gynäkologischen Endokrinologie von uns gegangen, der dieser Fachrichtung über mehrere Jahrzehnte praktische, wie wissenschaftliche Impulse gab.
Es ist kaum möglich, seine Meriten für die Medizin, speziell für die Frauenheilkunde ausreichend zu würdigen.

Bereits für seine Ausbildung zum Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe hat er sich mit der Universitätsfrauenklinik Kiel eine der renommiertesten Kliniken ausgesucht, die namhafte Vertreter des Fachs, wie Michaelis, Hahnenstieg, Stöckel, Robert Schröder hervorbrachte, um nur einige zu nennen.

In Kiel waren die Forschungsbedingungen hervorragend, dort wurden die ersten Schritte für biologische Hormonbestimmungen im Tiermodell geschaffen, die in die Entwicklung der heute nicht mehr verzichtbaren Hormonanalysen bei Frau und Mann mündeten.
Die Habilitation von Prof. Lauritzen aus dem Jahre 1961 beschäftigte sich mit dem Thema Biologische Wirkungen von Östrogen- und Gestagen-Metaboliten. Sie war ein Meilenstein der Hormonlehre und fand eine Fortsetzung im Buch Östrogene beim Menschen, das er zusammen mit seinem Lehrer Egon Diczfalusy vom Karolinska-Institut in Stockholm veröffentlichte.
Fortan wurde Prof. Lauritzen nicht nur in deutschen Landen als Hormon-Papst gesehen.

 

Im Jahre 1968 ist Prof. Lauritzen nach Ulm berufen worden und hat dort zusammen mit Prof. Knörr die städtische Frauenklinik zu einer national wie international hoch angesehenen Universitätsklinik entwickelt.

Unter der Ägide von Prof. Lauritzen wurden nicht nur die Themenkreise der Endokrinologie und Menopausenforschung zum international anerkannten Standard weiterentwickelt, es wurden auch die Anstöße zur Entwicklung von heute weit verbreiteten Methoden gegeben. Es seien exemplarisch erwähnt:

• Amniozentese
• Fetoskopie
• Doppler- und Farbdoppler-Ultraschall
• die Fortschritte in der Behandlung von Frühgeburten.

 

Nach seinen eigenen Worten hat es Prof. Lauritzen als großes Privileg und als schönes Vorrecht des Frauenarztes empfunden, den Frauen in allen Phasen des Lebens, insbesondere aber den existentiellen Augenblicken ihres Daseins, hilfreich zur Seite stehen zu dürfen. Diesem Privileg hat Herr Prof. Lauritzen sein Schaffen in ärztlicher Tätigkeit, wie auch im wissenschaftlichen / literarischen Bereich gewidmet.

Er hat ein bedeutendes literarisches Werk geschaffen. Seine humanistische Bildung, die umfangreiche Kenntnis der deutschen Literatur und seine humanistische Lebenseinstellung haben ihn zu einem besonderen Hochschullehrer gemacht, denn Humanist wird man nicht durch Citations- und Impact-Faktoren, Humanist wird man nur aus der Lebenseinstellung und durch Bildung und Lesen.
Humanist wird man auch durch Beherzigung des gnothi seauton der conditio humana und des eigenen Ichs.

Deswegen hat Prof. Lauritzen den Weg der Geschichtsforschung, der Literatur und der schönen Künste beschritten, wie kaum ein anderer Hochschullehrer in Deutschland.

Herr Prof. Lauritzen war ein großer Mensch, ein bedeutender Hochschullehrer und ein begnadeter Mediziner. Er hat es einzigartig verstanden, über den Tellerrand seines Fachgebietes zu blicken und eine exemplarische, allgemeine Bildung auszustrahlen.

 

Christian-Lauritzen-Institut e.V.