KomplementärmedizinAkupunktur, herbale Medizin, Homöopathie

Sehr geehrter Leser, diese Gesundheitsinformation gibt Ihnen abgesichertes medizinisches Wissen zu Akupunktur. Die Gesundheitsinformation berücksichtigt die zuverlässigsten Studien weltweit und ist damit die wirksamste Maßnahme, um sich für oder gegen eine Behandlung zu entscheiden. Akupunktur ist eine Behandlung, die sicher wenig Nebenwirkungen hat. Für viele Einsatzbereiche gibt es Methoden, deren Wirkung zuverlässiger bewiesen ist, als die der Akupunktur. Die wissenschaftlichen Beweise (beste Evidenz) sprechen gegen die unreflektierte Einnahme von Kräuterpräparaten (herbale Medizin). Die möglichen Nebenwirkungen und Einflüsse auf körpereigene Abbausysteme (Stoffwechsel) dominieren.

Das Topwissen zur Komplementärmedizin:

Was versteht man unter komplementärer Medizin?

  • Akupunktur, „Medizin“ aus Kräutern und Pflanzen (herbale Medizin), sowie Homöopathie.
  • Im gängigen Sinne und meist verbreitet meint Akupunktur die Stimulation von bestimmten Hautpunkten durch das „Einsetzen von Nadeln.“
  • Homöopathie verwendet genau die Substanzen in sehr niedriger Konzentration, die normalerweise das Krankheitsbild (in hoher Konzentration) verursachen. Das Motto lautet: „Gleiches mit Gleichem“ oder ‚like should be cured with like‘.
  • Herbale Medizin („Kräutermedizin“) verwendet Wirkstoffe aus Pflanzen gegen Krankheiten.

Wie & wo findet man abgesichertes Wissen zu komplementärer Medizin?

  • Cochrane hat eine Gruppe für Komplementärmedizin (Complementary Medicine Field of the Cochrane Collaboration).
  • Die Gruppe unterhält eine medizinische Datenbank für Komplementärmedizin „CISCOM“.
  • Die wichtigsten medizinischen Datenbanken und außerdem 31 Fachzeitschriften wurden auf Artikel zur Komplementärmedizin durchsucht. Neben den systematischen Übersichten sind ca. 5000 Studien (RCTs) erfasst und nochmals so viele kontrollierte Studien (CCTs), bei denen nicht zu klären ist, ob die Zuteilung der Patienten zu den Studiengruppen per random und voll verblindet erfolgte.

Wo liegt das Problem, wenn es doch so viele Studien gibt?

  • In der Qualität der Studien
  • Die ca. 10.000 Studien zur Komplementärmedizin sind von der Wissenschaft auf Qualität geprüft worden.
  • Die Mehrzahl der Studien ist von niederer oder mittlerer Qualität. Dadurch ist die Sicherheit der Aussage vermindert. „Man weiß es nicht so zuverlässig“.
  • Nimmt man nur die guten Studien, so sind wenig Patienten erfasst, die oft nur kurz behandelt werden. Das gibt keine umumstößlichen Aussagen, es erlaubt keine generelle Aussage für alle Alterstufen, Rassen etc…

Wie gelangt man an Topwissen zur Akupunktur?

  • Lesen der Übersichten der Universität von York/England und der Übersicht zur Deutschen Akupunkturstudie
  • Die Übersichten berücksichtigt alle wichtigen Studien der Cochrane Datenbank für Komplementärmedizin.
  • Zusätzlich wurden die medizinischen Datenbanken erneut durchsucht und alle wichtigen Arbeiten bis 2005 erfasst. Die englische Übersicht gibt in Tabellen an, welche Studien verwendet wurden, wie die Qualität ist, wie viele Patienten teilgenommen haben usw.
  • Wer aktuelle Studien ergänzen will, muss die medizinischen Datenbanken (Medline, EMBASE; CENTRAL etc.) ab 2005 durchsuchen. Wer zu etwas spezielleren Problemen zuverlässige Literatur sucht (z.B. Behandlung des Tennisellenbogen mit Akupunktur), sollte die Cochrane Library (CLIB) befragen. Er gibt in die Suchmaschine „acupuncture“ oder noch breiter „complementary medicine“ ein und erhält die maßgebenden Übersichten und sonstigen Studien (siehe unten).

Quellen:Linde K, Vickers A, Hondras M, et al. Systematic reviews of complementary therapies – an annotated bibliography. Part 1: Acupuncture. BMC Complementary and Alternative Medicine 2001;1(3).Im Internet: www.biomedcentral.com/content/ pdf/1472-6882-1-3.pdf Melchart, Dieter; Streng, Andrea; Hoppe, Andrea; Jürgens, Susanne; Weidenhammer, Wolfgang; Linde, KlausAkupunktur bei chronischen Schmerzen: Ergebnisse aus dem Modellvorhaben der Ersatzkassen Acupuncture for chronic pain – results from the research program of ten health insurance funds. Deutsches Ärzteblatt 103, Ausgabe 4 vom 27.01.2006, Seite A-187 / B-160 / C-159 Für die Übersicht www.muemo.med.tu-muenchen.de/pub/cont_pub.htm

Was sagt die Übersicht zur Wirkung von Akupunktur?

  • Sie wirkt bei Übelkeit und Erbrechen nach Operationen.
  • Akupunktur wirkt bei Übelkeit unter Chemotherapie („Krebsmedikamente“) und bei Schmerzen nach Zahnziehen.
  • Eine Wirkung von Akupunktur ist sehr unwahrscheinlich bei Suchterkrankungen (wie Rauchen, Cocain), bei Tinnitus und auch bei der Behandlung des Übergewichts.
  • Für die chronischen Schmerzzustände fehlen die Daten aus Studien mit ausreichender Qualität: „Man weiß es nicht zuverlässig“.
  • Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Modellvorhabens der Ersatzkassen zeigen, dass Patienten mit chronischen Kopf-, LWS- und Osteoarthroseschmerzen deutlich und für die Dauer von mindestens 6 Monaten von der Behandlung mit Akupunktur profitieren. Jedoch ist eine punktspezifische Wirksamkeit der Akupunktur im Sinne eines eindeutigen Vorteils gegenüber Minimalakupunktur nur bei der Behandlung der mit Kniegelenkarthrose verbundenen Schmerzen belegt. Melchart D et al. Akupunktur bei chronischen Schmerzen: Ergebnisse aus dem Modellvorhaben der Ersatzkassen. Deutsches Ärzteblatt 103, Ausgabe 4 vom 27.01.2006, Seite A-187 / B-160 / C-159 Für die Übersicht www.muemo.med.tu-muenchen.de/pub/cont_pub.htm

Quellen:Acupuncture. Bulletin on the effectiveness of health service interventions for decision makers. EFFECTIVE HEALTH CARE. NOVEMBER 2001 VOLUME 7 NUMBER 2. NHS Centre for Reviews and Dissemination University of York
Fugh-Berman A, Kronenberg F.
 Complementary and alternative medicine (CAM) in reproductive-age women: a review of randomized controlled trials. Reproductive Toxicology. 2003. 17(2). 137-152. CRD 2004
McCarney RW, Lasserson TJ, Linde K, Brinkhaus B.
An overview of two Cochrane systematic reviews of complementary treatments for chronic asthma: acupuncture and homeopathy.Respir Med. 2004 Aug;98(8):687-96. Manheimer E, Berman B, Dubnick H, Beckner W. Cochrane reviews of complementary and alternative therapies: evaluating the strength of the evidence. 2004. www.cochrane.org/colloquia/abstracts/ottawa/P-094.htm (accessed 10 Oct 2005).
Kang HS, Jeong D, Kim DI, Lee MS.The use of acupuncture for managing gynaecologic conditions: An overview of systematic reviews.
Maturitas. 2011 Apr;68(4):346-54. Epub 2011 Mar 3. Review. PMID: 21376483

2004/5 sind nun Arbeiten erschienen, die Zusatzauskünfte zur Akupunktur geben.

  • In der Übersichten aus England wird die unsichere Datenlage zur Wirkung bestätigt und vor unkontrolliert eingenommennen frei verkäuflichen Medikamenten bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch gewarnt.
  • Akupunktur bei Kopfschmerz bringt gegen Zuwarten einen wichtigen Vorteil, dies gilt auch für die „Minimalakupunktur“ (sham acupuncture), bei der nicht genau die Akupunkturpunkte ausgewählt werden.Die deutsche Studie zur Akupunktur lässt viele Fragen offen, aber zeigt doch, dass es sich bei der Akupunktur um eine Methode handelt, die wenig ernsthafte Nebenwirkungen hat (1% der Patienten hatte behandlungsbedürftige Nebenwirkungen). Bis zum 31. Dezember 2004 wurden außerdem 17 „schwerwiegende unerwünschte Therapiewirkungen“ oder Komplikationen gemeldet: sechsmal ausgeprägte Kreislaufreaktionen wie Kollaps, fünfmal ein Pneumothorax, zweimal ein Erysipel, je einmal Kniegelenkinfektion, Auslösung eines Krampfanfalles oder eines ausgeprägten Asthmaanfalls sowie Suizidalität bei bekanntem Borderline-Syndrom.
  • Studien bei Männern können bislang den Nachweis nicht bringen, dass nach Behandlung vermehrt Schwangerschaften auftreten.

Quellen: CG156 Fertility: Assessment and treatment for people with fertility problems NICE guideline 20 February 2013
Fugh-Berman A, Kronenberg F.
Complementary and alternative medicine (CAM) in reproductive-age women: a review of randomized controlled trials. Reprod Toxicol. 2003 Mar-Apr;17(2):137-52.
Melchart D et al.
Acupuncture in patients with tension-type headache: randomised controlled trial. BMJ, doi:10.1136/bmj.38512.405440.8F (published 29 July 2005)
Gurfinkel E, Cedenho AP, Yamamura Y, Srougi M.
Effects of acupuncture and moxa treatment in patients with semen abnormalities. Asian J Androl. 2003 Dec;5(4):345-8.

Die englische Studie zum Kopfschmerz (401 Patienten nahmen teil) fand, dass Patienten nach Akupunktur weniger häufig zum Arzt mussten und weniger Schmerzmittel brauchten. Aus den Ergebnissen ist es nicht möglich, exakt den Effekt der „Akupunktur an der richtigen Stelle“ einzuschätzen, da eine Kontrollgruppe fehlt (die Akupunktur an x-beliebigen Körperstellen erhielt). Auch bei Kniebeschwerden und Schmerzen im Beckenbereich war in kleinen Studien Wirkung gegeben. 2012 sagt eine Übersichtarbeit, dass Akupunktur effektiv ist bei chronischem Schmerz (Vickers et al.).
Quellen: Vickers AJ et al. Acupuncture for chronic headache in primary care: large, pragmatic, randomised trial. BMJ 2004;328:744 (27 March), doi:10.1136/bmj.38029.421863.EB (published 15 March 2004)
Vas J et al.
Acupuncture as a complementary therapy to the pharmacological treatment of osteoarthritis of the knee: randomised controlled trial.BMJ 2004;329:1216, doi:10.1136/bmj.38238.601447.3A (published 19 October 2004)
Tukmachi E, Jubb R, Dempsey E, Jones P. The effect of acupuncture on the symptoms of knee osteoarthritis–an open randomised controlled study. Acupunct Med. 2004 Mar;22(1):14-22.
HeD, Veiersted KB, Hostmark AT, Medbo JI.
Effect of acupuncture treatment on chronic neck and shoulder pain in sedentary female workers: a 6-month and 3-year follow-up study. Pain. 2004 Jun;109(3):299-307.
Kvorning N, Holmberg C, Grennert L, Aberg A, Akeson J.
Acupuncture relieves pelvic and low-back pain in late pregnancy. Acta Obstet Gynecol Scand. 2004 Mar;83(3):246-50.
Manheimer E, White A, Berman B, Forys K, Ernst E. Meta-analysis: acupuncture for low back pain. Ann Intern Med. 2005 Apr 19;142(8):651-63. Review. Erratum in: Ann Intern Med. 2005 Jun 7;142(11):950-1.
Furlan AD, van Tulder MW, Cherkin DC, Tsukayama H, Lao L, Koes BW, Berman BM.
 Acupuncture and dry-needling for low back pain. Cochrane Database Syst Rev. 2005 Jan 25;(1):CD001351.
White AR.
A review of controlled trials of acupuncture for women’s reproductive health care. Journal of Family Planning and Reproductive Health Care 2003; 29(4):233-236 CRD Report vorgesehen
White A
A cumulative review of the range and incidence of significant adverse events associated with acupuncture. Acupunct Med. 2004 Sep;22(3):122-33. Review
Vickers AJ et al; for the Acupuncture Trialists‘ Collaboration Acupuncture for Chronic Pain:  Individual Patient Data Meta-analysis
Arch Intern Med. Published online September 10, 2012. doi:10.1001.
Lin X, Huang K, Zhu G, Huang Z, Qin A, Fan S. The effects of acupuncture on chronic knee pain due to osteoarthritis: a meta-analysis. J Bone Joint Surg Am 2016;98(18):1578-1585.

Was ist bekannt zur Wirkung der Homöopathie?

  • Sie erreicht sicher nicht mehr Wirkung als Placebo (Scheinmedikament, ohne Wirkstoff). Eine Arbeit aus 2005 kann zuverlässig belegen, dass die Wirkung der Schulmedizin ausgeprägt ist und sicher über dem „Placeboeffekt“ liegt. Die Homöopathie kann dies nicht erreichen!
  • Eine der Folgen dieser neuen Erkenntnisse ist, dass Homöopathie in der Schweiz nicht mehr von der Krankenkasse gezahlt werden darf.
  • Es existieren zur Zeit (2006) keine Belege (Evidenz) für eine Wirksamkeit der Homöopathie bei Krebs.
  • Es gibt zu wenig wissenschaftliche Basis, um Homöopathie zu empfehlen (dafür zu sein).
  • Die Qualität der Studien und die Studienausführung sind zu bemängeln.

Quellen:
Homeopathy
– There are currently insufficient data either to recommend homeopathy as a treatment for any specific condition, or to warrant significant changes in the provision of homeopathy.“
Shang  A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, et al.  Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy.Lancet 2005; 366:726-732
Milazzo S et al.
Efficacy of homeopathic therapy in cancer treatment. European Journal of Cancer. February 2006. 42(3 ):282-289
NHMRC Statement on Homeopathy and NHMRC Information Paper – Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions. March 2015

Der National Health and Medical Research Council, NHMRC, Australiens  höchste Behörde für Gesundheitsangelegenheiten bezieht im März 2015 eindeutig Stellung:
Kein Beweis einer Wirkung gegenüber Placebo, aber erhebliche Gesundheitsrisiken, wenn man Behandlungen nicht wahrnimmt, für die es handfeste Beweise (Evidenz) gibt.

NHMRC Statement: Statement on Homeopathy: Auszüge:

„Based on the assessment of the evidence of effectiveness of homeopathy, NHMRC concludes that there are no health conditions for which there is reliable evidence that homeopathy is effective.
Homeopathy should not be used to treat health conditions that are chronic, serious, or could become serious.
People who choose homeopathy may put their health at risk if they reject or delay treatments for which there is good evidence for safety and effectiveness.
People who are considering whether to use homeopathy should first get advice from a registered health practitioner. Those who use homeopathy should tell their health practitioner and should keep taking any prescribed treatments.“

 

Was macht die Komplementärmedizin so beliebt?

  • Das bleibt Spekulation; aber sicher nicht die nachgewiesene Wirkung.
  • Das Nutzerverhalten in Deutschland spricht eine ganz andere Sprache:
  • Vorwiegend chronisch Kranke suchen Hilfe in der Komplementärmedizin.
  • 75 % der über 16 Jährigen hat nach einem Report des Robert-Koch-Instituts in Berlin Erfahrungen mit komplementärer Medizin. Der typische Nutzer ist weiblich, über 45, von höherer Ausbildung und leidet an einer chronischen Erkrankung.
  • 80 % der Bevölkerung kämen aber nicht auf die Idee, bei einer akuten Erkrankung Verfahren der Komplementärmedizin einzusetzen.
  • Das Nutzerverhalten muss mit betrachtet werden, es wird weniger an Wirkung gedacht (für ca. ein Drittel der Behandlungsgründe = Indikationen ist Wirkung belegt). Im Vordergrund stehen die als nicht optimal eingestufte Wirkung (Symptompersistenz) oder die Nebenwirkungen der konventionellen Medizin.

Quellen:http://bmj.com/cgi/content/full/325/7371/990/e?ck=nck
Manheimer E, Berman B, Dubnick H, Beckner W. Cochrane reviews of complementary and alternative therapies: evaluating the strength of the evidence. 2004. www.cochrane.org/colloquia/abstracts/ottawa/P-094.htm
(accessed 10 Oct 2005).

Akupunktur bei Kinderwunsch, speziell bei Behandlungen wie IVF/ICSI?

  • Eine der ersten Studien, die Wirkung bei IVF/ICSI fand, war die der Ulmer Gruppe (2002).
  • 2006 sind nun weitere Studien veröffentlicht, die alle einen positiven Effekt zeigen.
  • Von Cochrane wird eine Übersicht erscheinen, die sich mitTCM bei Kinderwunsch beschäftigt und zeigt, wie hoch die Wirkung ist.
  • Unsere Empfehlung nach Durchsicht der Literatur: Es ist gerechtfertigt, Akupunktur IVF  Patienten (am Tag des Transfers) anzubieten, da die Nebenwirkungen gering und relativ harmlos sind. Wir sehen Akupunktur auch als Zusatz zum erfolgssteigernden Programm der psychotherapeutischen Unterstützung bei IVF, der Stressreduktion.
  • http://www.kinderwunsch-ulm.de

Quellen:He H, Li S, Border C. Chinese medicinal herbs for female subfertility (Protocol for a Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 1, 2004. Chichester, UK: John Wiley & Sons, Ltd.
Paulus WE, Zhang M, Strehler E, El-Danasouri I, Sterzik K.
Influence of acupuncture on the pregnancy rate in patients who undergo assisted reproduction therapy. Fertil Steril. 2002 Apr;77(4):721-4
Westergaard LG et al.
Acupuncture on the day of embryo transfer significantly improves the reproductive outcome in infertile women: a prospective, randomized trial. Fertil Steril, 5 April 2006. 1341-1346
Smith C et al.
Influence of acupuncture stimulation on pregnancy rates for women undergoing embryo transfer . Fertility and Sterility, 4 April 2006. 1352-1358
Dieterle S et al.
Effect of acupuncture on the outcome of in vitro fertilization and intracytoplasmic sperm injection: a randomized, prospective, controlled clinical study , Fertility and Sterility, 7 April 2006. 1347-1351
de Liz TM, Strauss B.
HumanReproduction. 2005 20(5):1324-1332
Dennehy CE.
The use of herbs and dietary supplements in gynecology: an evidence-based review. J Midwifery Womens Health. 2006 Nov-Dec;51(6):402-9. Review.

Akupunktur bei Kinderwunsch, bei IVF/ICSI, Stand 2013 Akupunktur bei der IVF Die große Übersichtsarbeit von Cochrane ist 2013 überarbeitet worden:

  • Jede Frau, die den Embryotransfer unter Akupunktur durchführen lässt, erhöht damit ihre Chance, schwanger zu werden [B], so lautete bis jetzt die Empfehlung der Cochranegruppe, die weltweit 10 verlässliche Studien auswertete. Eine Chancenerhöhung durch Akupunktur wurde bei Frauen mit verminderten Chancen auf eine Schwangerschaft gefunden (Ältere, Frauen mit nur wenig Eizellen).Die aktuelle Übersichtsarbeit von Cochrane, in der nun 14 Studien mit über 3500 Frauen ausgewertet werden, bestätigt dieses Ergebnis nicht. Zusammenfassend gilt: Es ist nicht schlagkräftig bewiesen, dass Akupunktur beim Embryotransfer die Chance auf die Geburt eines Kindes erhöht [B]. Ein Großteil der Wirkung kann durch den Placeboeffekt bedingt sein.
    Kang HS, Jeong D, Kim DI, Lee MS.The use of acupuncture for managing gynaecologic conditions: An overview of systematic reviews. Maturitas. 2011 Apr;68(4):346-54. Epub 2011 Mar 3. Review. PMID: 21376483 Cheong YC et al. Acupuncture and assisted reproductive technology. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 7. Art. No.: CD006920.
  • Die Formulierung ist jetzt deutlich zurückhaltender, drückt aber nur aus, dass die Datenlage unsicher war und ist. Und schon länger ist bekannt: Es gibt keine Belege für eine Wirksamkeit der Akupunktur an anderen Tagen, vor und nach dem Transfer.

Akupunktur, Mai 2010: Akupunktur ist eine ziemlich sichere Behandlung, mit ganz seltenen schweren Nebenwirkungen. Daher ist die Beantwortung der Frage hoch relevant, ob Akupunktur eine effektive Heilbehandlung ist oder nicht. Cochrane gibt dazu wesentliche Beiträge (mehr als 25 publizierte Übersichten, über 30 in Vorbereitung), die nun auf einer Webseite zusammengefasst sind. Unter „Download PDF“ erhält man die Volltexte kostenfrei!

Frauen Acupuncture and assisted conception [ Download PDF ]

Acupuncture for induction of labour [ Download PDF ]

Acupuncture for uterine fibroids [ Download PDF ]

Gastrointestinal Acupuncture for treatment of irritable bowel syndrome [ Download PDF ]

Kopfschmerz Acupuncture for migraine prophylaxis [ Download PDF ]

Acupuncture for tension-type headache [ Download PDF ]

Muskuloskeletal Acupuncture for neck disorders [ Download PDF ]

Acupuncture and dry-needling for low back pain [ Download PDF ]

Acupuncture for lateral elbow pain [ Download PDF ]

Acupuncture for peripheral joint osteoarthritis [ Download PDF ]

Acupuncture and electroacupuncture for the treatment of rheumatoid arthritis [ Download PDF ]

Psychische Erkrankungen Acupuncture for depression [ Download PDF ]

Schlaf Acupuncture for insomnia [ Download PDF ]

Sucht Acupuncture and related interventions for smoking cessation [ Download PDF ]

Was sind die Gefahren einer unkontrollierten Anwendung der Komplementärmedizin?

  • Die Hauptgefahr ist, dass der Patient falsch informiert wird und dadurch Schaden nimmt: Ein Beispiel wäre, Krebs mit Akupunktur oder Kräutern zu behandeln anstelle von Operation etc.
  • Unkontrollierte Zusätze zu homöopathischen Medikamenten oder „Kräutermedikamenten“ können schädigen. „Verunreinigungen“ mit blutverdünnenden Medikamenten, Hormonen, Koffein….. beeinträchtigen die Qualität.
  • Medizinisch wichtiger, aber vom Patient nur am Rande wahrgenommen, sind Wechselwirkungen mit anderen eingenommenen Medikamenten und verlangsamte Abbauprozesse in der Leber mit zunehmendem Alter. Die Mehrzahl der Patienten gibt dem Arzt nicht an, dass homöopathische Medikamente oder „Kräutermedikamente“ genommen werden.Gerade bei Menschen, die noch andere Medikamente nehmen, kommen Wechselwirkungen mit z.B. Johanniskraut und Gingko biloba vor: Johanniskraut beschleunigt den Abbau von bestimmten „Krebsmedikamenten“, wodurch ein Wirkungsverlust eintritt…..Mindestens 30.000 Nahrungsergänzungsstoffe (dietary supplements, Kräuterextrakte und hochdosierte Vitaminpräparate) werden in USA verkauft; sie müssen nicht als Medikamente zugelassen werden. Qualitativ gute Studien zum Wirknachweis fehlen, da sie nicht gefordert sind. Neben unzureichenden Kontrollen und ungenügendem Wirkungsnachweis beeinflussen herbale Produkte und „Nahrungsergnzungsstoffe“ den Wirkmechanismus und die Ausscheidung von oft lebenswichtigen Medikamenten (Mittel bei Herzerkrankungen und solche gegen Krebs) ungünstig. Die Gefahren sind Wirkverlust der wichtigen Medikamente (Krebs) oder Blutungen.
  • Beispiele solcher Substanzen sind: Johanniskraut, Mutterkorn, Ginseng, Ginkgo, Grapefruit, Sägepalme, Salvia miltiorrhiza, Stephania tetrandra, Yohimbin, Glycyrrhiza glabra etc.
    Tachjian A, Maria V, Jahangir A, et al. Use of Herbal Products and Potential Interactions in Patients With Cardiovascular Disease. J Am Coll Cardiol 2010;55:515-525.

Zusammenfassung:Rubrik „man weiß es sicher“ = Evidenz der Klasse I vorhanden:

  • Für die meisten Erkrankungen gibt es Behandlungen, die weit besser bewiesen sind als Behandlungen der Komplementärmedizin.
  • Gibt es für eine Erkrankung bewiesene Maßnahmen, die die Gesundheit verbessern (Evidenzklasse I), so müssen diese angeboten werden.
  • Ein Verzicht auf bewiesen wirksame Behandlung und die alleinige Behandlung mit nicht bewiesenen Maßnahmen nimmt eine Schädigung des Patienten (durch Vorenthalten von bewiesenen Maßnahmen) in Kauf = Handlung wider beste Evidenz.
    Kaptchuk TJ et al. Sham device v inert pill: randomised controlled trial of two placebo treatments . BMJ, doi:10.1136/bmj.38726.603310.55 (published 1 February 2006)

© Petra- Ilona Wiedemann und Rainer Wiedemann 2003 – 2017
Stand: Januar 2017

Hier können Sie lesen, wie wir nach Literatur gesucht haben. Weitere Informationen zur Evidenzbasierten Medizin erhalten Sie in unserem Buch: Wiedemann R et al. Krankmacher Lebensstil. 2005. conkom Verlag, ISBN 3-00-017436-2 http://www.conkom.de