Ungewollte Kinderlosigkeit & bessere Erfolge

Sehr geehrter Leser,
diese Gesundheitsinformation gibt Ihnen abgesichertes medizinisches Wissen zur Sterilitätsbehandlung. Die Gesundheitsinformation berücksichtigt die zuverlässigsten Studien und ist damit die wirksamste Maßnahme, um sich für oder gegen eine Behandlung zu entscheiden.

Das Topwissen zur Qualitätsverbesserung bei IVF / ICSI

Paare, die anstrengende und teure Behandlungen wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) oder die intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) durchführen lassen, haben ein verständliches Interesse der optimierten Behandlung. Die wird noch mehr gerechtfertigt unter den Neuerungen der Gesundheitsreform 2003/4 (Kostenbeteiligung der Paare).
Unreflektierte Arztbesuche unter dem Motto „das wird ja jeder gleich gut können“ werden seltener. Die Wegstrecke verliert an Wichtigkeit, der Erfolg und die Zufriedenheit werden entscheidend.

Durch mangelnde Information und Verwendung von nicht abgesichertem Wissen werden aber auch Verhaltensweisen generiert, die die ohnehin oft angestrengte Beziehung zwischen dem Paar und dem IVF Team zusätzlich belastet.
Wir möchten Ihnen nun zu den Punkten, zu denen es abgesicherte Daten gibt, klare Aussagen und damit Sicherheit geben.
Der wichtigste nicht veränderbare Faktor ist das Alter (der Frau).

Wo kann der Patient ansetzen, was ist veränderbar?
  • Das IVF – Team
    Die einzig sinnvolle und auch absolut zulässige Frage lautet:
    Wie hoch ist die Schwangerschaftsrate in Ihrem Zentrum für Paare, die so alt wie wir sind und die die gleiche Ursache der Kinderlosigkeit haben wie wir?
Die Stimulationsbehandlung, die Punktion und die Entwicklug der Embryonen im Brutschrank, das schaffen fast alle Patienten.
  • Mehr als 2 Drittel der Embryonen, die in die Gebärmutter übertragen werden, nisten sich dort nicht ein.Als Ursachen mögen in Frage kommen:
    • Qualität der Embryonen
    • „Empfangsbereitschaft“ der Gebärmutter
    • Technische Aspekte rund um den Transfer

Das Problem:

Menschliche Embryoen entwickeln sich nach IVF oder ICSI langsam, viele verkümmern und nur wenige erreichen im Brutschrank das Blastozystenstadium (= hohes Stadium der Zellteilung, mehr als 64 Zellen).
In der Regel werden bei der In -vitro-Fertilisation die Embryonen nach 2-3 Tagen Kultur im Brutschrank im 8- Zellstadium in die Gebärmutter zurückgegeben.
Weltweit, auch in Deutschland, wird auf längere Kulturzeiten übergegangen, wobei die wissenschaftliche Grundlage nicht zuverlässig belegt erscheint. Neben der höheren Kosten (mehr Laboraufwand) gibt es auch Bedenken, dass längere Kulturzeiten im „Brutschrank“ negativ für die Embryonen und späteren Kinder sein könnten (siehe Risiko, „Imprinting“).

Hat der Transfer im späteren Stadium (Blastocysten) einen Vorteil gegenüber einem früheren? Ist sicher bewiesen, dass eine Behandlung mehr Erfolg hat ist als die andere?
  • Ja, wir wissen seit 2007, dass der Blastocystentransfer allen Frauen empfohlen werden kann (mehr Lebendgeburten), außer denen mit wenig Eizellen.
  • seit Januar 2007 ist bei der Durchsicht der Weltliteratur klargeworden, dass der Transfer im Blastozystenstadium die höchsten Schwangerschaftschancen hat.
  • Mehr als 20 Studien sind von der Qualität her als ausreichend beurteilt worden.
  • Man erreicht eindeutig mehr Schwangerschaften und Lebendgeburten bei Transfer von Blastozysten, ohne jeden Nachteil.
    Mehr Lebendgeburten: Tag 2/3: 29,4% versus Tag 5/6: 36,0%. V.a. bei den Patienten mit guter Prognose.
  • Allerdings muss der Arzt wissen, welche Patientin geeignetet ist.
  • Es gibt „den Toppatienten“, bei dem man sogar nur einen Embryo übertragen kann und hohen Efolg hat.

Quelle: Blake DA, Farquhar CM, Johnson N, Proctor M. Cleavage stage versus blastocyst stage embryo transfer in assisted conception. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 4. Art. No.: CD002118. DOI: 10.1002/14651858.CD002118.pub3.
CG156 Fertility: Assessment and treatment for people with fertility problems NICE guideline 20 February 2013
Farquhar C et al. Assisted reproductive technology: an overview of Cochrane Reviews. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 7. Art. No.: CD010537  

 

  • Man erreicht mit weniger Blastocysten eine vergleichbar hohe Schwangerschaftsrate wie mit deutlich mehr 8 – Zellern, die am Tag 2 oder 3 transferiert werden.
  • Dafür, dass man generell den Blastocystentransfer empfiehlt, ist die Datenlage nicht ausreichend.

Eine weitere Übersicht ist im April 2004 erschienen.
Oatway C, Gunby J, Daya S. Day three versus day two embryo transfer following in vitro fertilization or intracytoplasmic sperm injection (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 2, 2004. Chichester, UK: John Wiley & Sons, Ltd.

Insgesamt sind 10 Studien mit 2027 Patienten erfasst. 1200 Frauen aus 3 Studien mit guter Qualität können für die Auswertung berücksichtigt werden.

  • Man findet keinen Unterschied, was aber bedeuten kann ein Unterschied von knapp 10% für Tag 2 oder genauso für Tag 3 ist theoretisch denkbar.
  • Bei ICSI bringt der Transfer nach 3 Tagen bessere Schwangerschaftsraten, aber nicht mehr Geburten (mehr Abgänge).

Drei Einschränkungen, die erklärt werden müssen:
Die Ergebnisse sind nicht absolut sicher (keine Evidenzklasse I): Denn, um 5% Unterschied sicher festzustellen, bräuchte man fast 2000 Teilnehmer mit Transfer am Tag 2 und 2000 am Tag 3.
Wieviele Embryonen soll man in die Gebärmutter zurückgeben?
Zu dieser Frage ist Ende 2004 eine Übersicht erschienen. Weltweit fehlen die Studien für eine sichere Aussage.

  • Man kann dem Patienten zur Zeit nicht den Transfer nur eines Embryos empfehlen.
    Die bislang vorliegenden Studien zeigen niedrigere Schwangerschaftsraten.
    Pandian Z, Bhattacharya S, Ozturk O, Serour GI, Templeton A. Number of embryos for transfer following in-vitro fertilisation or intra-cytoplasmic sperm injection. The Cochrane Database of Systematic Reviews 2003, Issue 3. Art. No.: CD003416.pub2. DOI: 10.1002/14651858.CD003416.pub2.
    Pandian Z, Marjoribanks J, Ozturk O, Serour G, Bhattacharya S. Number of embryos for transfer following in vitro fertilisation or intra-cytoplasmic sperm injection. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 7. Art. No.: CD003416
    Wenn man bei optimalen Voraussetzungen (junge Patientin beim 1. oder 2. IVF Versuch) nur einen Embryo überträgt, sollte man mindestens eine „Reservezelle“ einfrieren (Kryokonservation), um sie beim Misserfolg später zu übertragenJunge Patienten unter 36 Jahren können im 1. und 2. IVF Zyklus den Transfer eines Embryos wählen, wenn das Zentrum die Kultur bis zum Blastozystenstadium anbietet und damit auch erfolgreich ist. Zusätzlich sollte das Zentrum Erfolgzahlen (Geburten) aus Kryozyklen von ca 15% bieten.
    Thurin A et al.
    Elective Single-Embryo Transfer versus Double-Embryo Transfer in in Vitro Fertilization. NEJM 2004. 351:2392-2402
  • Beim Transfer eines Embryos und konsekutiv eines aufgetauten Embryos erreichen 128 von 330 Frauen (38,8%) eine Schwangerschaft und Geburt. Bei 2 frischen Embryonen sind dies 142 von 331 Frauen (42,9 %) Dies entspricht einer Differenz von 4%, wobei die statistische Aussagekraft auch eine Differenz von 11% bis hin zu einem um 3% besseren Erfolg der 1+ 1 Taktik erlaubt (95% CI: –3,4 bis 11,6 %).
    Papanikolaou EG et al. In vitro fertilization with single blastocyst-stage versus single cleavage-stage embryos. N Engl J Med 2006;354:1139-1146.Gelbaya TA et al. The likelihood of live birth and multiple birth after single versus double embryo transfer at the cleavage stage: a systematic review and meta-analysis. Fertility and Sterility Volume 94, Issue 3, August 2010, 936-945
    van Peperstraten A et al. The effect of a multifaceted empowerment strategy on decision making about the number of embryos transferred in in vitro fertilisation: randomised controlled trial BMJ 2010; 341:c2501
  • Einzelembryotransfer
    Die Schwangerschaftsrate sinkt bei Frauen mit sehr guter Prognose (Basis 6 Studien nicht optimaler Qualität, nicht mal 800 Teilnehmer).
  • EET (Einzelembryotransfer)    31,3% (2,0% Zwillinge)
  • DET (Doppelembryotransfer)   48,1% (35% Zwillinge)
  • Die Gesamtkosten bei 2 Embryonen (DET, Zwillingsrate) sind nicht belegt teurer als bei EET.
  • Der Patient will trotz Aufklärung 2 Embryonen (In Skandinavien).

Ingerslev H J, Poulsen P B, Kesmodel U, Hojgaard A, Pinborg A, Henriksen T B, Seeberg J, Ottosen L D. Should one or two embryos be transferred in IVF? A health technology assessment. Copenhagen : Danish Centre for Evaluation and Health Technology Assessment (DACEHTA). 2005.
Anmerkung: Die Eingangskriterien sind bei uns nicht erlaubt (mehr als 3 Embryonen mit guter Qualität), auch nicht Freezing von Embryonen.  
McLernon DJ et al. Clinical effectiveness of elective single versus double embryo transfer: meta-analysis of individual patient data from randomised trials BMJ 341:doi:10.1136/bmj.c6945 (Published 21 December 2010)

  • Die Übersicht aus Ende 2010 findet nun 8 Studien mit 1367 Frauen, wobei die Studienqualität nicht die beste ist (doppelte Verblindung fehlte meist) und Frauen untersucht wurden, die an sich gute Aussichten haben (unter 35, gute Embryoqualität). Bei Transfer von 1 Embryo ist die Chance für eine Lebendgeburt 27%, bei 2 Embryonen 42%, das Risiko von Mehrlingen sinkt von 29% (2 Embryonen) auf 2%. Diese Zahlen muss man mit dem Paar besprechen, das dann entscheidet, auch unter dem Hintergrund des Erfolgs von Kryozyklen.

 

  • Aber wir wissen auf der Basis von über 5000 untersuchten Embryonen zuverlässig, dass die Verwendung von Wechselmedien (Kulturflüssigkeit auf den Kulturtag zugeschnitten) den Erfolg verbessert (bessere Einnistung).Sequentielle Medienverbessern den Erfolg.
Ein ganz interessanter Punkt, der noch weiter untersucht werden muss, ist von unserer Arbeitsgruppe gefunden:
  • Wenn man Blastocysten verwendet und die umgebende Zona entfernt (siehe Hatching),
    so erreicht man bessere Erfolge und zwar v.a. bei Patientinnen, bei denen sich nur wenige Embryonen und dies auch noch verzögert ausbilden. 
    Quelle:
    Jelinkova L, Pavelkova J, Strehler E, Paulus W, Zivny J, Sterzik K.
    Improved implantation rate after chemical removal of the zona pellucida. Fertil Steril. 2003 Jun;79(6):1299-303.

ASSISTED HATCHING

Die Theorie: Man glaubt, dass Embryonen vor der Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut aus ihrer Schutzhülle (= Zona pelluzida) herausschlüpfen (englisch = to hatch).
Die Schutzhülle ist ursprünglich dazu da, dass Eizellen nur von einer Samenzelle befruchtet werden; außerdem hält sie u.a. „den Embryo zusammen“ (bewahrt die dreidimensionale Integrität).
Mehr als 2 Drittel der Embryonen, die in die Gebärmutter übertragen werden, nisten sich dort nicht ein. 
  • Es ist nicht klar, ob das eine Folge der Verhärtung der Zona pelluzida oder von anderen Faktoren ist.
  • Die Dicke der Zona scheint auch durch das Alter, die Hormone und die Ursache der Kinderlosigkeit beeinflusst.
  • Die Eröffnung der Zona im Labor wird als „Assisted Hatching“ bezeichnet.
    Ziel ist es, den Vorgang der Einnistung zu erleichtern und damit den Erfolg der künstlichen Befruchtung zu erhöhen.

Verschiedene Techniken sind entwickelt und ausprobiert worden: „Zonadissektion, Zonadrilling und Zonathinning“ sind durch chemische Manipulationen ebenso zu erreichen wie durch „Piezo- oder Lasergeräte“.
Es gibt keine zuverlässigen Daten, die uns empfehlen, diese oder jene Technik anzuwenden.

Embryonen nach „Assisted Hatching“ scheinen sich 1 Tag früher in der Gebärmutter einzunisten als unbehandelte Embryonen.
Welche Zielgruppe ist untersucht?
  • Frauen über 38 Jahre und Paaren mit wiederholtem Misserfolg nach IVF oder ICSI
  • Frauen mit hohen FSH Werten (die Leistungsreserve der Eierstöcke erscheint begrenzt)
  • Patientinnen mit Kryotransfer
Was sind die Ergebnisse?

Nimmt man alle bislang veröffentlichten Studien, so ist nicht sicher, dass die Technik generell zu mehr Geburten führt.

Zu den Risiken lässt sich zur Zeit wenig abgesichertes Wissen finden:
Bedenken, dass Embryonen beschädigt werden und dass es zu einer Zunahme von Mehrlingen kommt, können nicht zuverlässig ausgeräumt werden.

Quellen:Das S, Blake D, Farquhar C, Seif MMW. Assisted hatching on assisted conception (IVF and ICSI). Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 2. Art. No.: CD001894.
Sallam HN et al. Assisted hatching–a meta-analysis of randomized controlled trials.J Assist Reprod Genet. 2003 Aug;20(8):332-42.
Tarlatzis BC, Zepiridis L, Grimbizis G, Bontis J. Clinical management of low ovarian response to stimulation for IVF: a systematic review. Hum Reprod Update. 2003 Jan-Feb;9(1):61-76.

Das beste Wissen zu diesem Thema stellt die 2003 bei Cochrane erschienene Übersichtsarbeit dar; sie ist 2009 aktualisiert worden. Es sind nun 28 Studien mit guter Qualität und 3646 Frauen mit zusammen 1228 Schwangerschaften erfasst.

Das S, Blake D, Farquhar C, Seif MMW. Assisted hatching on assisted conception (IVF and ICSI). Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 2. Art. No.: CD001894
Myers ER et al. Effectiveness of assisted reproductive technology (ART). Evid Rep Technol Assess (Full Rep). 2008 May;(167):1-195.
Martins WP et al. Assisted hatching of human embryos: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials Hum. Reprod. Update (2011) 17(4): 438-453 doi:10.1093/humupd/dmr012
Hammadeh ME, Fischer-Hammadeh C, Ali KR. Assisted hatching in assisted reproduction: a state of the art.J Assist Reprod Genet. 2011 Feb;28(2):119-28. Epub 2010 Nov 2.

Was ergibt sich für den Patienten?
  • Definitiv wird die Schwangerschaftsrate bei Frauen mit mehreren Misserfolgen bei der künstlichen Befruchtung erhöht
  • Eine Chancenerhöhung haben auch Ältere.
  • Auch die Mehrlingsrate steigt deutlich, darüber sollte das Paar Bescheid wissen.
  • Bei Frauen im ersten IVF Versuch ist aber kein Effekt zu finden, auch nicht bei anderen denkbaren Einsatzbereichen von Hatching.

Die weltweit vorliegenden Studien sind nicht in der Lage, dem Patienten zu sagen, die Methode nutzt sicher jeder Frau und die Nebenwirkungen sind kalkulierbar gering. Der Patient, der sich zur Zeit für die Behandlung des Hatching entscheidet muss wissen und akzeptieren, dass zu unerwünschten Nebenwirkungen einfach keine abgesicherte Aussage möglich ist.

Man darf aus den vorliegenden Studien nicht folgern, dass durch Assisted Hatching bei jeder Frau ein höherer Schwangerschaftserfolg zu erreichen ist.

  • Keine verlässliche Aussage ist zu den weiteren Punkten möglich , bei denen Hatching angeboten wird, also zu kryokonservierten Zellen und zu Frauen mit bereits erhöhten FSH Werten.
    Dieses Thema beansprucht eine genaue Beratung beim Reproduktionsmediziner, der die neuen Studien kennt.Erfreulich ist, dass die Arbeit der Ulmer IVF Gruppe um Prof. Karl Sterzik in die Cochrane Übersicht aufgenommen wurde.
    Jelinkova L, Pavelkova J, Strehler E, Paulus W, Zivny J, Sterzik K. Improved implantation rate after chemical removal of the zona pellucida. Fertil Steril. 2003 Jun;79(6):1299-303.

DER TRANSFER UND DIE ZEIT DANACH

Welche technischen Aspekte rund um den Transfer können den Erfolg heben?
  • Die Antwort sollte eine große Arbeit geben. Diese Übersicht ist im Januar 2006 zurückgenommen worden.Wilson A, Proctor M, Garzo G, Dang T, Johnson N.. Techniques for intrauterine embryo transfer(Protocol for a Cochrane Review). In: The
    Cochrane Library, Issue 3, 2003. Oxford: Update Software
  • Neu seit 2006 ist nun
    Al-Inany HG, Abou-Setta AM, Garzo G. Embryo transfer catheters for ART cycles. (Protocol) The Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 1. Art. No.: CD005636. DOI: 10.1002/14651858.CD005636.
  • 2010 findet sich in 6 Studien kein Unterschied im Erfolg durch unterschiedliche Kathetertypen.
    van der Poel N, Farquhar C, Abou-Setta AM, Benschop L, Heineman MJ. Soft versus firm catheters for intrauterine insemination. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 11. Art. No.: CD006225. DOI: 10.1002/14651858.CD006225.pub2.
  • Embryotransfer „unter Ultraschall“ oder nicht?
    In der Hand des Geübten ist der Ultraschall geleitete Embryotransfer nicht bewiesen erfolgreicher als das Handling des Katheters ohne direkte optische Kontrolle. Ein klinisch wichtiger Vorteil (mehr als 5%) ist nicht wahrscheinlich. Eventuell liegt der Unterschied in der Vermeidung „technisch schwieriger Transfers“ in der Schallgruppe?
    Brown JA, Buckingham K, Abou-Setta A, Buckett W. Ultrasound versus ‚clinical touch‘ for catheter guidance during embryo transfer in women. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 1. Art. No.: CD006107.

 

Es werden wohl einige der Fragen zum Transfer und für die Zeit danach beleuchtet werden:
  • Die Liegeposition beim Transfer – Patient position
  • Vorbehandlung des Gebärmutterhals – Cervical preparation
  • Die Lage der Gebärmutter? – Uterine position
  • „Probetransfer im Vorzyklus“ – Dummy embryo transfer
  • Kathetertyp – Catheter type
  • Das „Laden“ des Katheters – Catheter loading
  • Wohin in die Gebärmutter? – Site of embryo deposition within the uterus
  • Verschließen der Gebärmutter nach dem Transfer – Techniques to assist with the accurate placement of the embryo within the uterus
  • Flüssigkeitsverschiebungen nach dem Transfer – Expulsion of fluid / embryos from the cervix after embryo transfer
  • Bettruhe nach dem Transfer – Bed rest following embryo transfer
Bettruhe nach dem Transfer oder direkt aufstehen?
  • Der Patient muss wissen, dass mehr als eine halbe Stunde Liegezeit den Erfolg nicht verbessert.

  • Während alle Arbeiten bislang keinen Vorteil von Ruhen feststellen, wirft die Gruppe von Rezabek die Frage auf, ob
  • Bettruhe nicht sogar nachteilig für den Schwangerschaftserfolg ist.
  • Die Beratung muss lauten: Ein klinisch wichtiger Vorteil von Bettruhe ist nicht nachweisbar.
  • Die Empfehlungen zum Verhalten nach dem Transfer nach der systematischen Übersichtsarbeit aus 2009:Eine Liegezeit von mehr als 15 Minuten nach dem Transfer erhöht den Schwangerschaftserfolg nicht.
    Die Verwendung von Fibrinkleber erhöht nicht den Erfolg.
    Der mechanische Verschluss des Gebärmutterhalses kann nicht empfohlen werden.
    Abou-Setta AM, D’Angelo A, Sallam HN, Hart RJ, Al-Inany HG. Post-embryo transfer interventions for in vitro fertilization and intracytoplasmic sperm injection patients. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 4. Art. No.: CD006567 :


Quellen:
Botta G, Grudzinskas G. Is a prolonged bed rest following embryo transfer useful? Human Reproduction1997 Nov.12(11)1489-92
Rezabek K, Koryntova D, Zivny J. [Does bedrest after embryo transfer cause a worse outcome in in vitro fertilization?]Ceska Gynekol. 2001 May;66(3):175-8. Czech.
Orvieto R, Ashkenazi J, Bar-Hava I, Ben-Rafael Z. Bed rest following embryo transfer–necessary? Fertil Steril. 1998 Nov;70(5):982. No abstract available.
Sharif K, Afnan M, Lenton W, Khalaf Y, Ebbiary N, Bilalis D, Morgan C. Do patients need to remain in bed following embryo transfer? The Birmingham experience of 103 in-vitro fertilization cycles with no bed rest following embryo transfer. Hum Reprod. 1995 Jun;10(6):1427-9.
Sharif K, Afnan M, Lashen H, Elgendy M, Morgan C, Sinclair L. Is bed rest following embryo transfer necessary? Fertil Steril. 1998 Mar;69(3):478-81.
Woolcott R, Stanger J. Ultrasound tracking of the movement of embryo-associated air bubbles on standing after transfer. Human Reproduction 1998;13(8):2107-2109.
Bar-Hava I et al. Immediate ambulation after embryo transfer: A prospective study. Fetil Steril 2005. 83(3):594-97
Purcell KJ et al.
Bed rest after embryo transfer: a randomized controlled trial. Fertil Steril 2007. 87(6): 1322-1326

Welche Medikamente sind nach den Transfer erfolgreich?
  • HCG in der zweiten Zyklushälfte ist am erfolgreichsten.
    Es erhöht deutlich die Schwangerschaftsrate und senkt zusätzlich die Zahl der Aborte (Fehlgeburten).
    Der Effekt ist nur für die Zyklen bewiesen, in denen GnRH Analoga (Nasenspray, oder eine den vorzeitigen Eisprung unterdrückende Spritze) gegeben wurden.
    Gentechnologisch hergestelltes LH kann zu weniger Fehlgeburten führen?
  • Das Risiko der Eierstocksüberreaktion (Überstimulation) ist aber um ein mehrfaches erhöht (bis zu 20 mal).
  • Progesteron (Gelbkörperhormon) bringt höhere Schwangerschaftsrate in Zyklen ohne GnRH A.
    Es konnte aber kein Einfluss auf Aborte belegt werden.
    Der Einnahmeweg (Tablette, Zäpchen für die Scheide, Spritze) dürfte egal sein.
  • Bislang fehlen die Beweise, dass die zusätzliche Gabe von Östrogenen (zum Gelbkörperhormon dazu) den Erfolg erhöhen kann.

Quellen: Daya S, Gunby J Luteal phase support in assisted reproduction cycles (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 3, 2004. Chichester, UK: John Wiley & Sons, Ltd.
Mochtar MH, Van der Veen , Ziech M, van Wely M. Recombinant Luteinizing Hormone (rLH) for controlled ovarian hyperstimulation in assisted reproductive cycles.Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 2. Art. No.: CD005070.

Auf „Killerzellen“ untersuchen?
  • Eine zu hohe Aktivität der körpereigenen Killerzellen wird mit wiederholtem Misserfolg bei IVF und gehäuften Fehlgeburten verknüpft.
  • Die Lösung wäre die CORTISONGABE: was ist dran an dieser These? Nutzt Cortison (Immunmodulation mit Prednisolon 7,5 bis 20mg)?
  • Wir wissen es nicht. Der aktuelle Cochrane Review erfasst weltweit 13 gute Studien mit 1759 Paaren und kann keine bedeutenden Vorteile finden.
    Boomsma CM, Keay SD, Macklon NS. Peri-implantation glucocorticoid administration for assisted reproductive technology cycles. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 1. Art. No.: CD005996.

© Rainer Wiedemann 2003-2016

Stand: Januar 2016

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Und in unserem Buch:

Wiedemann R et al. Krankmacher Lebensstil. 2005. conkom Verlag, ISBN 3-00-017436-2 http://www.conkom.de